Auf den folgenden Seiten möchten wir Ihnen mehrere Erfahrungsberichte von Rettungsschwimmern vorstellen, die beim Wasserrettungsdienst am Strand von St. Peter-Ording aktiv waren...

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Wichtiger Hinweis:
Die hier aufgeführten Berichte geben die persönlichen Erfahrungen einzelner Rettungsschwimmer wieder, bitte verwechseln Sie dies nicht mit offiziellen Aussagen der DLRG oder anderen Institutionen.

Erst-Erfahrungen als Wachgänger an Stränden der Nordsee

Was heißt Rettungswache an den Stränden von St. Peter-Ording?
BINE  und JULI von der DLRG Althengstett berichten:


St. Peter-Ording selbst ist ein, im Sommer, hauptsächlich von Touristen genutzter Ort. Direkt an der Nordsee gelegen bietet St. Peter Ording die besten Voraussetzungen zum erholen, daher gibt es hier auch zahlreiche Kuren. Direkt vor Ort liegt ein insgesamt 12 km langer Sandstrand, welcher in 5 Wachgebiete aufgeteilt ist. Es gibt 4 Textilstrände und einen FKK-Strand. Es ist für jedermann etwas dabei. Vom übersichtlichen Familienstrand bis zum so genannten „Eventstrand“, der hauptsächlich von jungen Leuten genutzt wird. Hier gibt es für die Wassersportbegeisterten eine Kite- und Windsurfschule. Hinzukommend finden an diesem Strandabschnitt jährlich zahlreiche Events statt. Von Live Konzerten, die Kite-WM, bis zu Kinderaktionen ist für jeden was dabei.

Als Neulinge im Rettungswachdienst hatten keinerlei Vorstellungen was uns in SPO (St. Peter-Ording) erwarten würde. Daher fuhren wir mit gemischten Gefühlen nach Nordfriesland, um dort 3 Wochen Wachdienst abzuleisten. Nach der neun Stunden andauernden Zugfahrt kamen wir endlich an und lernten direkt alle 15 Rettungsschwimmer kennen, die uns sofort mit in die Gruppe aufgenommen haben.

Allgemein fing der Wachtag um ca. 08.30 Uhr an. Wir trafen uns vor der Unterkunft und gingen erst einmal alle gemeinsam unser Frühstück besorgen. Anschließend ging es um 9 Uhr an die Strandabschnitte, auf welche uns die hauptberuflichen Bademeister einteilten.

An den Stationen selbst mussten erst einmal der DLRG "Adler" gehisst werden. Unsere primärer Fokus war es das Geschehen am Strand und die Menschen im Wasser im Blick zu haben, z.B. bei ablandigem Wind darauf zu achten, dass sich keine Menschen auf Luftmatratzen mehr im Wasser befanden. Zusätzlich konnten wir helfen vermisste Kinder oder Eltern ausfindig zu machen, sowie zahlreiche Pflaster kleben, Hundebesitzer und Lenkdrachensteiger darauf aufmerksam zu machen die Badezone zu verlasse. Auf die zahlreichen Fragen der Touristen musste man ebenfalls eingehen. Je nach Wetterlage und Andrang wurden an manchen Strandabschnitten zusätzlich mobile Rettungsschwimmer eingesetzt. Wir waren dann mit Funke (Funkgerät) und kleiner Rettungsausrüstung (z. B. Erste Hilfe-Set) zwei bis drei Stunden zu Fuss am Strand unterwegs. Streifelaufen war toll, denn somit war man direkt am Wasser, man hatte genug zu arbeiten, so dass keine Langeweile aufkam oder wir konnten einfach mit den anderen Rettungsschwimmern, die mitliefen, uns unterhalten.

Der typische Wachtag endete spätestens um ca. 19.00 Uhr. Dann kam der ersehnte Feierabend, den wir meistens mit den anderen Rettungsschwimmern verbrachten.

Wir fanden wir diese Zeit einfach unvergesslich. Wir haben viele tolle, neuen Leute und auch richtig gute Freunde gefunden. Eins ist sicher, dass war nicht unsere letzte Rettungswache!!!!!!!

Niestetaler Rettungsschwimmer helfen beim Wachdienst in St. Peter-Ording

Im Sommer fuhren Kathrin Becker, Melanie Gernhöfer, Tobias Schmidt und Björn Henkel von der DLRG Ortsgruppe Niestetal für jeweils drei Wochen im Juni und Juli nach St. Peter-Ording. Sie nehmen dort am Wasserrettungsdienst der DLRG teil, der in den Monaten von Mai bis September von Rettungsschwimmern aus ganz Deutschland geleistet wird. In St. Peter-Ording gibt es im Gegensatz zu vielen anderen Badestellen und Stränden den Unterschied, dass hier hauptberufliche Schwimmmeister an den Badestellen Dienst tun und von den ehrenamtlichen Rettungsschwimmern der DLRG unterstützt werden.

Der Strand von St. Peter-Ording erstreckt sich über 12 km und ist in fünf Badestellen mit eigenen Wachstationen eingeteilt. Bei gutem Wetter im Sommer bevölkern manchmal bis zu 35.000 Menschen den Sandstrand. An den Strandabschnitten befinden sich Rettungsboote und die üblichen Rettungsmaterialien.

Die DLRG-Rettungsschwimmer führen manchmal täglich bis zu 50 verloren gegangene Kinder zu Ihren Eltern, beseitigen Treibgut und sind natürlich auch kompetente Anlaufstelle für alle Fragen und Probleme der Strandbesucher. Für manchen Strandbereich ist es erforderlich, 2 Stunden an einem Stück Streife zu laufen. Selbstverständlich sind alle Rettungsschwimmer mit Funk ausgestattet. Der Wachdienst wird am Strand im Regelfall von 9 bis 18 Uhr geleistet.

So vergeht Stunde um Stunde, es werden Schnittwunden verarztet, verloren gegangene Kinder gesucht, Schlauchboote beobachtet und Hunde- und Lenkdrachenbesitzer aus der Badezone verwiesen. An manchen Tagen werden auch Übungen geschwommen, damit die Rettungsschwimmer fit bleiben.

Wenn der Feierabend näher rückt, werden die Flaggen eingeholt, das Boot in den Bootschuppen gekurbelt und wir Rettungsschwimmer freuen uns auf den Feierabend, denn dann sitzen wir noch alle gemütlich zusammen und lassen den Abend ausklingen.

Es hat uns super Spaß gemacht und im nächsten Jahr sind wir auf jeden Fall wieder mit in SPO dabei.

Streife am Sandstrand

Es ist 9 Uhr morgens, das Briefing steht an. Wo muss was heute getan werden, wer wird wo im Einsatz sein? Die hauptamtlichen Schwimmmeister von St. Peter Ording teilen ihre ehrenamtlichen Helfer ein. Für Christoph Dähn geht es zum FKK-Strand, für Gillian Heller zur Wache Ording. Insgesamt 15 Kilometer Sandstrand müssen die Rettungsschwimmer überwachen, an einem schönen Tag kommen rund 10.000 Gäste, um sich in der Nordsee abzukühlen. „Wenn einer auf die zuläuft, dann geht sofort das Adrenalin hoch“, berichtet Christoph Dähn.

Zwei beziehungsweise drei Wochen haben Gillian Heller aus Buldern und Christoph Dähn aus Dülmen, beide Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Dülmen, in dem beliebten Touristenort St. Peter-Ording verbracht, als ehrenamtliche Rettungsschwimmer.

„Unser Wunscheinsatzort war Fehmarn“, berichtet der 20-jährige Christoph Dähn, der ebenso wie der 16-jährige Gillian Heller zum ersten Mal als Helfer zur Küste gefahren ist. Andere Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Dülmen seien dort bereits im Einsatz gewesen, begründet er. Bewerben mussten sich die zwei bei der Einsatzleitung Küste, die auch die Helfer den Städten zuteilte - und die beiden Dülmener nach St. Peter-Ording an die Nordsee schickte. Gemeinsam mit den hauptamtlichen Schwimmmeistern vor Ort und zehn weiteren Ehrenamtlichen bewachten sie den Sandstrand. „Streife laufen, das Wasser beziehungsweise das Land beobachten“, zählt Gillian Heller einige seiner Aufgaben in St. Peter-Ording auf. Am FKK-Strand habe man zudem morgens bei einer Streife den Müll aufsammeln müssen, ergänzt Dähn. Über ihre Rettungseinsätze dürfen die beiden nicht sprechen, es gibt eine Schweigepflicht. „Wir hatten gut zu tun“, ist das einzige, das Christoph Dähn verrät. Der 20-Jährige war zwei Wochen lang am FKK-Strand tätig. „Man gewöhnt sich schnell daran, dass die Leute nackt vor einem stehen“, hatte der Dülmener kein Problem mit seinem Einsatzort am Strand von St. Peter-Ording.

Um sich überhaupt für einen Ferienjob an der Küste bewerben zu können, mussten beide eine Fachausbildung Wasserrettung ablegen. Dazu gehöre unter anderem auch ein Sanitätsschein der Klasse A und das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber, erläutert Christoph Dähn. Erste praktische Erfahrungen hätten er und Gillian Heller bereits als Rettungsschwimmer im düb gesammelt.

Neben der Arbeit hatten die beiden Dülmener jedoch auch Zeit für andere Aktivitäten. Besonders aufregend sei ein Kite-Schnupperkurs an Land gewesen, berichtet Christoph Dähn. Ansonsten habe man viel mit den anderen ehrenamtlichen Helfern unternommen.

Ob sie im nächsten Jahr wieder nach St. Peter-Ording wollen? „Ja, sofort“, antwortet Gillian Heller, und auch Christoph Dähn nickt. Und da sie bereits einmal vor Ort waren und die Gegebenheiten kennen würden, hätten sie im kommenden Jahr eine gute Chance, wieder dorthin zu kommen.

Ein 12 km langer Strand will bewacht werden...

Bald ist es wieder so weit: wir, zwei Rettungsschwimmer der DLRG, freuen uns auf den Sommer, indem wir zum vierten Mal unsere Sommerferien in St. Peter-Ording verbringen werden.

Es ist aber kein herkömmlicher Sommerurlaub, sondern wir werden als Rettungsschwimmer der DLRG am Strand aufpassen, dass den Badegästen nichts passiert. Allgemein zu St. Peter-Ording ist zu sagen, dass der Strand in fünf Abschnitte unterteilt ist, auf denen jeweils eine Wache zu finden ist. Insgesamt verfügt St. Peter-Ording - kurz SPO - über vier Motorboote, welche zum Streife fahren auf dem Wasser gedacht sind. Damit die Wachgänger mit dem Umgang auf dem Wasser vertraut sind, werden im Sommer regelmäßig Übungen mit den Booten gefahren. In der Hochsaison sind jedes Jahr ca. 12 Wachgänger pro Woche vertreten, sodass jede Wache mit drei bis vier Wachgängern besetzt ist. Wir, die Rettungsschwimmer, sind in einem DLRG-Heim untergebracht, das von der Kurverwaltung unterhalten wird und mit sieben Zweibettzimmern ausgestattet ist, welche jeweils ein eigenes Bad und eine eigene Küche haben. Zudem gibt es in dem Heim eine Waschmaschine und einen Fernseher. Um die Verpflegung müssen wir uns selbst kümmern und erhalten dafür eine Tagespauschale, die auf Wunsch einmal die Woche ausgezahlt wird.

Ein ganz normaler Wachtag beginnt um 09.00 Uhr am Bauhof, welcher ca. 10 Minuten zu Fuß von der DLRG-Unterkunft entfernt ist. Vom Bauhof aus geht es dann mit den Jeeps los zum Strand. Angekommen an der Wachstation am Strand muss als erstes das Wetter auf den Tafeln notiert werden und an die Überfahrten weitergegeben werden, damit die Urlauber gleich Bescheid wissen, wie es wettertechnisch am Strand und an der See aussieht. Die Flaggen dürfen natürlich auch nicht vergessen werden. Sie informieren die Badegäste über den Wasserstand, ob es auflaufendes oder ablaufendes Wasser gibt, ob gerade Badezeit ist oder ob Badeverbot herrscht.

Dann geht es los mit der eigentlichen Aufgabe der Wachgänger: dem Streife laufen. Das bedeutet, dass zu zweit mit einem Funkgerät in der Hand in der bewachten Badezone, gekennzeichnet durch Bojen, nach dem Rechten geschaut wird. Hier stehen die Rettungsschwimmer den Badegästen für Fragen und Tips zur Verfügung. Dabei darf aber natürlich nicht die Badezone aus den Augen verloren werden, deswegen heißt es: immer mit dem Gesicht zum Wasser stehen und die Schwimmer beobachten. Auf dem Turm werden Funkgerät und Telefon von einem weiteren Rettungsschwimmer und dem Badestellenleiter, welcher fest bei der Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording angestellt ist und so das Sagen auf dem Turm hat, bewacht. Spätestens ab Mittag kommen hier immer wieder Badegäste mit kleinen Verletzungen wie Muschelsplittern im Fuß oder „Quallenangriffen“ vorbei und werden versorgt.

An „schlechteren“ Tagen herrscht ebenfalls Präsentpflicht. Bei einer Sturmflut haben die Wachgänger auch die Möglichkeit, bei der Bergung von Strandkörben zu helfen. Natürlich wird die Bergung der Strandkörbe mit Hilfe von Treckern und ähnlichen Mitteln durchgeführt. Da eine Sturmflut in den meisten Fällen nachts über den Strand hereinbricht, bleibt den Rettungsschwimmern ein schnelles Aufstehen, meist früher als geplant, nicht erspart.

Oft kommt es vor, dass Eltern ihre Kinder vermissen oder Kinder ihre Eltern suchen. Daraufhin werden die benachbarten Wachstationen benachrichtigt und die Suche wird per „Streife laufen“ eines Rettungsschwimmers und „Streife fahren“ mit dem Jeep begonnen. In den meisten Fällen haben die Kinder die Orientierung verloren und sind am falschen Strandabschnitt gelandet. Es kommt selten vor, dass ein Kind sich in Richtung Wasser verläuft, aber auch hier muss kontrolliert werden. Rekord waren 90 Vermisste an einem Tag - natürlich sind alle wieder aufgetaucht!

Der wohlverdiente Feierabend beginnt je nach Wetter spätestens um 18.30 Uhr mit der Rückfahrt vom Strand zur Unterkunft, wo alle meist noch gemeinsam ein Feierabendbier trinken, sich duschen und die Abendplanung beginnen. Am Abend gibt es verschiedene Möglichkeiten: Zusammensitzen im Heim, die Disko am Wochenende, das Café Köm mit Billard und Dart oder Grillen am Strand. Im Juli/August gibt es so gut wie jedes Wochenende ein Event am Strand: die RSH-Beachparty, Soccerturniere, die Beachvolleyballmasters oder das Kite-Trophyfinale. Bei Interesse gibt es auch die Möglichkeit bei der ortsansässigen Wassersportschule einen Surf- oder Kitesurfkurs zu machen.

Der Wachdienst an der Küste lohnt sich immer, da sich dort Rettungsschwimmer aus ganz Deutschland treffen, um gemeinsam auf das Wohl der Badegäste zu achten und Verantwortung zu übernehmen.

Ein Tag auf der Badestelle Ording

07.15 Uhr: Einige Rettungsschwimmer klettern aus ihren Betten, um sich vor dem Dienst ein wenig sportlich zu betätigen. Joggen, Inlinern, Liegestütze und andere Gymnastik tragen zu ihrer körperlichen Fitness bei.

08.00 Uhr:
Spätestens jetzt sind alle Rettungsschwimmer auf den Beinen und machen sich fertig für den Dienst.

09.00 Uhr: Dienstbeginn – Mit dem Jeep fahren wir zum Ordinger Strand. Die Flaggen werden gehisst, das Rettungsboot aus dem Bootsschuppen geholt, das Wetter bestimmt und an die Infotafel angeschrieben. Und kaum sind wir damit fertig, beantworten wir schon die ersten Fragen der Touristen, die von uns übrigens liebevoll „Touris“ genannt werden. Fragen wie z.B.: „Gibt es hier Ebbe und Flut?“ oder „Wie hoch kommt das Wasser heute?“ sind für uns schon Routine geworden.

09.15 Uhr: Bewaffnet mit Mülltüten machen wir uns auf den Weg, um den Strand von Abfällen und sonstigem Müll zu befreien, damit die Badegäste ihren Urlaub an einem sauberen Strand genießen können.

10:00 Uhr: Zwei Rettungsschwimmer begeben sich mit einem Funkgerät zur Wasserkante, wo sie nun mit ihrer Streife in der Badezone beginnen und die Schwimmer ständig beobachten. Besonders achten müssen wir immer auf winkende Menschen, denn tausende Male winken sich die Menschen im Wasser zu und beim tausendundeinsten Mal hat man dann wirklich einen Notfall. Immer wieder müssen wir auch mit uneinsichtigen Hundebesitzern diskutieren, die ihre Hunde nicht anleinen wollen. Gleichzeitig hat der Rest der Wachmannschaft Dienst auf der Station. Dazu gehören: Telefon- und Funkdienst, Erste-Hilfe leisten vom Bienenstich bis hin zum Kreislaufstillstand, verloren gegangene Kinder und Eltern suchen und selbstverständlich auch aufs Wasser schauen.

11:45 Uhr:
Wir bemerken ein Schlauchboot, das immer weiter abtreibt. Mit dem Fernglas können wir eine regungslose Person darin sehen. Unsere Fußstreife beginnt sofort mit dem Einsatz und schwimmt zum Schlauchboot hin, um nachzuschauen, ob alles in Ordnung ist. Zum Glück ist die Person im Boot nur eingeschlafen und nach einer kurzen Belehrung unsererseits ist sie einsichtig genug, um zu erkennen, dass der Wind auch mal schnell drehen und so ein Schlauchboot bei ablandigem Wind auch aufs Meer hinaustreiben kann.

13:00 Uhr: Wir haben ablandigen Wind der Stärke 4. Über den Lautsprecher ertönen unsere Durchsagen, dass die Badegäste heute nicht mit Luftmatratzen und Schlauchbooten ins Wasser gehen sollen, damit sie nicht aufs Meer raustreiben. Unsere Fußstreife am Wasser hat nun viel zu tun. Alle Leute mit Luftmatratzen und Schlauchbooten werden angesprochen und informiert. Viele erkennen die Gefahr von ablandigem Wind nicht und glauben, dass sie selbst von weit draußen immer noch mit ihrer Luftmatratze zurückschwimmen können. So mancher Schwimmer hat sich da schon mal geirrt und musste von uns mit dem Rettungsboot wieder an Land gebracht werden.

15:20 Uhr: Eine aufgeregte Mutter kommt in die Station. Sie vermisst ihre kleine Tochter. Mit beruhigenden Worten fragen wir nach dem Namen, Alter und Aussehen der Kleinen und beginnen mit den Durchsagen: “ Gesucht wird die kleine Maria. Sie ist 4 Jahre alt, hat blonde Haare ...“. Auch unser Fußstreife wird über Funk informiert und sucht nun nach dem Mädchen. Sollte die Suche länger als üblich dauern, werden auch die benachbarten Stationen informiert, denn so manches verlorengegangene Kind läuft auch schon mal bis zum nächsten Strandabschnitt 2 km weiter. Aber bisher haben wir alle Kinder wiedergefunden. Der Rekord in der Badestelle Ording liegt übrigens bei 62 vermissten Kindern und Eltern an einem Tag. Besonders kleine Kinder, die ihre Eltern vermissen, müssen von uns liebevoll betreut werden. Oftmals weinen die kleinen Strandhopser und wollen ihren Namen erst mal nicht sagen. Aber nach einigen tröstenden Worten, „Bestechungs-Keksen“ und so manchen Gesprächen über den Fußballverein zu Hause werden sie dann doch einsichtig und geben uns die nötigen Informationen. Es ist immer wieder ein Highlight für uns, wenn 6-7 Kinder gleichzeitig bei uns sitzen und ihre Mami suchen. Und fängt einer an zu weinen, weinen alle anderen mit. Aber nach einer weiteren Runde „Bestechungs-Bonbons“ ist erst mal Ruhe, denn mit vollem Mund lässt es sich schließlich schlecht weinen. So vergeht Stunde um Stunde und wir verarzten immernoch aufgeschnittene Füße, suchen verlorengegangene Kinder, beobachten Schlauchboote und verweisen Hunde- und Lenkdrachenbesitzer aus der Badezone. Der Feierabend rückt näher, die Station wird aufgeräumt, die Flaggen werden eingeholt, das Rettungsboot in den Bootsschuppen gekurbelt und wir Rettungsschwimmer freuen uns auf den Feierabend. Aber wie so oft kommt gerade dann noch eine Mutter, die ihr Kind sucht...

Als Wachgänger in St. Peter-Ording

Vor nunmehr 16 Jahren habe ich als Rettungswachgänger in St. Peter-Ording meinen ersten Wasserrettungsdienst absolviert. Durch meine Eltern, mit denen ich seit meinem zweiten Lebensjahr häufig hier Urlaub gemacht habe, habe ich schon in sehr jungen Jahren die Nordsee lieben gelernt.

1988 habe ich mich als Schüler während der Schulferien bei der Einsatzleitstelle in Burg auf Fehmarn als Wachgänger beworben, natürlich mit dem Wunsch in St. Peter-Ording eingesetzt zu werden.

Die ersten 4 Jahre wurde ich an der Badestelle Böhl eingesetzt. Mit einem erfahrenen Rettungsschwimmer an der Seite und unter der Leitung des jeweiligen hauptamtlichen Schwimmmeisters, wurde ich in die Gefahren des Wattenmeeres und der Badestelle eingewiesen.

Böhl war immer für mich eine Badestelle, auf der ich den direkten Kontakt zu den Kurgästen geschätzt habe. Morgens wenn man auf dem Balkon der Station gestanden hat und die Kurgäste an den Strand gekommen sind, dann wurden wir Wachgänger immer mit Namen begrüßt. Der morgendliche Kontrollgang im Korbrevier wurde meistens durch eine Tasse Kaffee und einen kurzen Smalltalk über das Wetter unterbrochen.

Nicht nur sportlich kann es vorkommen, dass man als Rettungsschimmer seine Fähigkeiten unter Beweis stellen muss, sondern auch das sprachliche Geschick wurde von mir gefordert. So musste ich in Böhl einem Kurgast auf Englisch erklären, dass die Gebühr die er an der Überfahrt gelöst hat kein Fährticket für Helgoland war.

Die folgenden Jahre wurde ich dann vom Abschnittsleiter Strände an den Badestellen Bad, Ording oder FKK eingesetzt, überwiegend aber in Bad. Jeder Strandabschnitt hat sein eigenes Flair und stellt den Rettungsschwimmer vor unterschiedliche Aufgaben. An den südlichen Strandabschnitten Böhl und Süd liegt der Schwerpunkt des Wachdienstes in der Überwachung der Wattflächen. Wenn hier etwas passiert ist die Ausdauer (Laufen) des Rettungsschwimmers oder der Geländewagen gefragt.

Beim Wachdienst in Bad, Ording und FKK dagegen haben ich mehr mit dem Verschwinden von Kindern oder deren Eltern zu tun gehabt. Ich frage mich die ganzen Jahre weshalb die Kinder nicht besser auf Ihre Eltern aufpassen. Schön ist es, wenn die Eltern die Kinder wieder in den Arm nehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Kinder auch immer sehr tapfer, doch wenn die Eltern gesichtet werden, dann laufen meistens die Tränen. Erste Hilfe und normale Tätigkeiten als Rettungsschwimmer (Streife gehen, Kontrollfahrten mit dem Rettungsboot) gehören hier zum Tagesgeschehen.

Beim Streifegehen an der Wasserkante werde ich sehr häufig angesprochen um den Kindern die Gefahren am und im Wasser zu erklären. Die Eltern wollen mehr über Ebbe und Flut informiert werden.

In der Anfangszeit habe ich den Wachdienst immer als Möglichkeit gesehen günstig einen schönen Urlaub mit viel Spaß und anderen Rettungsschwimmern aus ganz Deutschland an der Nordsee zu verbringen. Mittlerweile ist diese ehrenamtliche Tätigkeit der richtige Ausgleich zu einem arbeitsreichen Leben als Vertriebs-Ingenieur. Es bringt mir Spaß Leuten zu helfen. Ich sehe die Zeit hier vor Ort jetzt als eine besondere Art des Aktivurlaubs an.

Meine beiden ersten Tage in St. Peter-Ording

Mein erstes Wachdienstjahr in St. Peter-Ording (SPO) war 1985, also vor genau 20 Jahren. Seitdem war ich auch jedes Jahr am schönsten Strand Deutschlands um dort meinen Dienst zu versehn und kann natürlich viele amüsante Geschichten erzählen.

An mein erstes Dienstjahr kann ich mich eigentlich noch gut erinnern. Ich hatte 1985 noch keinen Wagen und musste mit der Bahn anreisen. An diesen Anreisetag kann ich mich noch sehr gut erinnern, denn an diesem Tag wurde im Fernsehen und im Radio das bisher weltgrößte Konzert "Live-Aid" übertragen. Der Tag war sehr warm und die Fahrt nach SPO daher sehr anstrengend. Ich kam um ca. 16.00 Uhr an, fuhr dann mit einem Taxi zum DLRG-Heim. Im DLRG-Heim angekommen wurde mir dann von den anwesenden Rettungsschwimmern gesagt, das ich mich bei dem leitenden Schwimmmeister auf der Badestelle Bad zu melden hätte. Na super, habe ich mir gedacht erst die anstrengende Bahnfahrt und dann darfst du auch noch zur Badestelle Bad laufen. Na ja, was soll man machen, den Koffer und die Tasche in den Aufenthaltsraum gestellt und habe mich dann auf den Weg gemacht. Wie schon gesagt war es an diesem Tag sehr warm, so um die 32 °C und es wehte kein Lüftchen. Ich war dann um ca. 17.00 Uhr auf der Badestelle und wurde von Bruno Penz (damals leitender Schwimmmeister) in Empfang genommen. Ich muss wohl ziemlich geschlaucht ausgesehen haben, denn ich bekam sofort eine Flasche Wasser in die Hand gedrückt und sollte diese erst mal in Ruhe trinken. Bruno Penz sagte mir das ich ab Morgen auf der Badestelle Süd eingeteilt bin und ich das Zimmer 6 im DLRG-Heim beziehen kann. Nachdem ich mich ein wenig ausgeruht hatte bin ich dann zum Heim zurückgelaufen und in Zimmer 6 eingezogen.

Um ca. 19.30 Uhr kamen die Wachgänger von ihrem Dienst am Strand zurück. Nach dem obligatorischen Feierabendbier lernte ich dann die anderen Rettungsschwimmer kennen. Zu meiner Überraschung war ich mit meinen 19 Jahren einer der jüngsten dort und die meisten waren auch Wiederholungstäter wie ich es jetzt auch bin.

Es wurde dann schnell geduscht, anschließend sind wir dann mit der kompletten Wachmannschaft von 18 Leuten zum Südstrand gegangen um dort zu Grillen und die oder andere Flasche Bier zu trinken. Der Abend wurde dann auch ziemlich lang, ich meine das ich erst so gegen 3.00 Uhr ins Bett gefallen bin.

Um 8.00 Uhr ging dann schon der Wecker, nach dem Frischmachen musste ich ja noch mein Frühstück besorgen. Das ging aber problemlos, denn direkt gegenüber vom DLRG-Heim befand sich der Lebensmittelladen von Otto Kumm (heute ist dort ein Frisör drin). Gegen 8:30 Uhr bin ich mit Petra Schneider, der zweite Rettungsschwimmer auf der Badestelle, zu der selbigen gelaufen. Dort angekommen habe ich den Badestellenleiter und Schwimmmeister Jürgen Felling sowie den Strandkorbvermieter, den gab es damals wirklich dort, kennen gelernt. Das Essen auf dieser Station war einfach super, denn Jürgen erwies sich als hervorragender Koch. Der Dienst an diesem Tag unterscheidet sich nicht viel von dem heutigen Dienst auf Süd, das heißt, das Korbrevier reinigen, die vorgelagerten Sandbänke beobachten, gegebenenfalls räumen und hier und da ein Pflaster kleben. Man muss aber sagen das früher in Süd ein bisschen mehr los war als heute. Nach dem Dienstschluss sind wir dann wieder zum DLRG-Heim zurückgelaufen.

Nach dem Feierabendbier ist ein Großteil der Mannschaft ins San Remo, heute Käptensstuv, gegangen und bin dort auch zünftig eingeführt worden. Im Remmi gab es auch noch eine kleine Bar und da stand Edith hinter der Theke. Edith ist den meisten aus dem Spökenkieker bekannt. Der Abend in der Bar war natürlich dann auch feuchtfröhlich, nach ein paar Bieren und diversen Kümmerlingen, Friesengeist und Küstennebel bin ich am sehr späten Abend oder war es doch noch später ins Heim gelaufen.

Ich hoffe Euch hat der Bericht von meinen Ersten beiden Tagen in St. Peter-Ording gut gefallen. Vielleicht werde ich noch ein paar Berichte aus den vergangenen 20 Jahren in SPO schreiben... Schöne Grüße, Eddi