St. Peter-Ording - Kleine Wunden versorgen, besorgte Eltern und ihren verloren gegangenen Nachwuchs wieder zusammenbringen, heulende Knirpse trösten - das sind ihre häufigsten Beschäftigungen. Mit den "Baywatch"-Bildern aus der gleichnamigen US-Serie verbindet die Rettungsschwimmer an der schleswig-holsteinischen Nord- und Ostsee wenig. Eines aber doch: Sie müssen jederzeit zu vollem Einsatz bereit sein. "Eine Notsituation kann in Sekundenschnelle eintreten", weiß Insa Wolfrun. Die 23-Jährige aus Bremen ist eine von mehr als 40 Rettungsschwimmern der DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft); landesweit waren es vergangenes Jahr fast 1700 an 50 Standorten.

20 000 Erholung Suchende und mehr tummeln sich an schönen Tagen an den 14 Kilometern Sandstrand von St. Peter-Ording, eine wimmelnde Menschenmasse, die die Rettungsschwimmer allzeit im Auge behalten müssen. Ihre Basis dafür sind fünf Wachen, die im Sommer tagsüber ständig besetzt sind. Neben den hauptamtlichen Wachleitern sind es vor allem Ehrenamtliche ab 16 Jahren, die in ihren Sommerferien aufpassen, statt selbst in der Sonne zu liegen.

Manche machen das schon seit einigen Jahren. "Es ist einfach eine tolle Gemeinschaft", schwärmt eine Ehrenamtliche. "Altgediente" und "Neue" wachsen schnell zu Teams zusammen, Freundschaften entwickeln sich, und manche haben sich schon jetzt zum nächsten Sommerdienst an der Nordsee verabredet. "Diese Verbindung von Humanität und Sport ist das Besondere an der DLRG, das zieht viele an", sagt Johann Stauch, im Hauptberuf technischer Leiter des Tourismus Service St. Peter-Ordings und im Ehrenamt Ortsvorsitzender der DLRG. Vorbeugung, das heißt Aufklärung, gehöre zu den zentralen Aufgaben der St. Peteraner Rettungsschwimmer, sagt Stauch. Denn die weitaus häufigsten Einsätze gelten hier nicht, wie in ruhigeren Gewässern, in Bedrängnis geratenen Badenden, sondern unvernünftigen Wattwanderern.

Der schlimmste Fall des Sommers waren zwei ältere Damen, die zum Westerhever Leuchtturm wandern wollten - übers Watt, bei auflaufender Flut. Ein Handy rettete ihnen das Leben: Von der Einsatzgruppe der DLRG-Ortsgruppe wurden sie aus dem Schlick gezogen, in dem sie bis zu den Hüften feststeckten. Im vergangenen Jahr befreite allein diese stetig bereite zwölfköpfige Truppe nach Johann Stauchs Angaben neun Menschen aus vergleichbaren Zwangslagen. Landesweit wurden der DLRG-Statistik zufolge 170 Personen "aus Wassernot" gerettet. Auch jetzt noch wacht die DLRG, weil das schöne Wetter viele Urlauber und Wochenendfahrer zum Baden im warmen Wasser lockt.


"Die Welt" - Channel: Hamburg
Ressort: Norddeutschland
Erscheinungsdatum: 10. 09. 2002